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Von Lautlese- bis Vielleseverfahren: Differenzierte Leseförderung in der Grundschule

Lautleseverfahren und Vielleseverfahren kombinieren

Leseförderung gelingt besonders gut, wenn Du nicht nur eine einzelne Methode einsetzt. Kinder brauchen regelmäßige Übungen zur Leseflüssigkeit, Unterstützung beim Leseverstehen und positive Erfahrungen mit Büchern und Texten. Wenn du Lautleseverfahren und Vielleseverfahren miteinander kombinierst, stärkst du sowohl die Lesekompetenz als auch die Freude am Lesen.

Die drei Säulen einer wirksamen Leseförderung

Leseförderung ist sehr komplex, es besteht aus mehreren Bereichen, die eng miteinander verbunden sind. Damit Kinder sicher und gern lesen, solltest du drei Säulen berücksichtigen:

1. Leseflüssigkeit

Leseflüssigkeit bedeutet, dass Kinder Texte genau, flüssig und angemessen betont lesen können. Eine wichtige Grundlage dafür ist der Sichtwortschatz. Häufig vorkommende Wörter sollten die Kinder nicht mehr Buchstabe für Buchstabe erlesen, sondern möglichst auf Anhieb erkennen. Je stärker ein Kind noch mit dem Entziffern einzelner Wörter beschäftigt ist, desto weniger Aufmerksamkeit bleibt für den Inhalt des Textes. Flüssiges Lesen entlastet also das Arbeitsgedächtnis und erleichtert das Leseverstehen.

2. Leseverstehen

Beim Leseverstehen geht es darum, Sätze, Textabschnitte und größere Zusammenhänge zu erfassen. Hilfreich ist eine Textvorentlastung. Dabei greifst du schwierige oder unbekannte Wörter bereits vor dem Lesen auf, erklärst sie und besprichst sie gemeinsam mit den Kindern.

3. Lesemotivation

Kinder lernen leichter lesen, wenn sie positive Leseerlebnisse sammeln. Leseförderung darf deshalb spielerisch, abwechslungsreich und motivierend sein. Viele Kinder besitzen zu Hause nur wenige oder gar keine Bücher. Umso wichtiger ist es, dass du ihnen in der Schule Zugang zu interessanten Texten, Büchern und gemütlichen Leseplätzen ermöglichst.

Leseflüssigkeit diagnostizieren

Es gibt standardisierte Verfahren und nicht-standardisierte Verfahren für die Diagnose von Leseflüssigkeit. Die standardisierten Verfahren sind meist umfangreicher aber auch teuer, dagegen kann man die nicht-standardisierten Verfahren leicht im Alltag einbauen.

Das Lautleseprotokoll einfach erklärt

Ein gut umsetzbares, nicht-standardisiertes Diagnoseverfahren ist das Lautleseprotokoll. Dabei liest ein Kind einen Text laut vor. Du markierst richtig gelesene Wörter, falsch gelesene Wörter sowie ausgelassene Wörter. Nach 60 Sekunden hältst du fest, wie weit das Kind gekommen ist. Die Anzahl der richtig gelesenen Wörter ergibt die Lesegeschwindigkeit in richtig gelesenen Wörtern pro Minute. Die Lesegenauigkeit berechnest du mit einer Formel.

Was sind Lautleseverfahren?

Bei Lautleseverfahren lesen die Kinder Texte laut oder halblaut. Du kannst diese Methoden in Partnerarbeit, in Kleingruppen oder als gemeinsames chorisches Lesen einsetzen. Für ein wirksames Leseflüssigkeitstraining solltest du kurze Texte nutzen. Ideal ist es, wenn ein Text innerhalb von etwa 20 Minuten zwei- bis dreimal gelesen werden kann. Geeignete Methoden sind zum Beispiel das Lesetandem, das chorische Lesen, der Lesewürfel oder das erzählende Lesen.

Was sind Vielleseverfahren?

Bei Vielleseverfahren lesen die Kinder überwiegend selbstständig. Sie wählen Texte oder Bücher möglichst nach ihren Interessen aus und lesen in ihrem eigenen Tempo. Damit Vielleseverfahren Wirkung zeigen, solltest du sie regelmäßig einsetzen. Eine einzelne Lesezeit pro Monat reicht nicht aus. Empfehlenswert sind mindestens zwei bis drei feste Lesezeiten pro Woche.

Die besten Ergebnisse erzielst du, wenn du Lautleseverfahren und Vielleseverfahren kombinierst.

Die Lese-App alphaben, Vorteile und Möglichkeiten

Die Lese-App alphaben kannst du sowohl für Lautleseverfahren als auch für Vielleseverfahren nutzen, außerdem auch für den Sachunterricht. Die Kinder erhalten einen persönlichen QR-Code und können über Tablet, Laptop oder Computer auf Bücher zugreifen.

Die alphaben-App bietet unter anderem:

  • knapp 400 Geschichten
  • Worterklärungen per Fingertipp
  • Mildenberger Silbenschrift
  • Quizfragen nach einzelnen Kapiteln
  • Lesepunkte und Urkunden
  • die Möglichkeit, Leseaufnahmen zu erstellen

Fünf praktische Lesemethoden für deinen Unterricht

1. Drei in einer Reihe

Die Methode verbindet Textvorentlastung und Spiel. Die Textvorentlastung, erleichtert das Lesen von neuen Texten oder Wörtern. Du schreibst schwierige Wörter auf kleine Karten, Becher oder Muffinförmchen. Ein Kind zieht ein Wort, liest es vor und erklärt es. Anschließend wird der Gegenstand auf einem Spielfeld platziert. Wer zuerst drei Felder waagerecht, senkrecht oder diagonal besetzt, gewinnt.

2. Der Lesewürfel

Die Kinder arbeiten in Kleingruppen. Auf dem Würfel stehen verschiedene Leseformen:

  • Ich: Ich lese.
  • Du: Ich lese mit dir.
  • Wir: Wir lesen zusammen.

So lesen die Kinder allein, mit einem Partner oder gemeinsam in der Gruppe. Das Vorlesen findet in einem geschützten Rahmen und nicht vor der gesamten Klasse statt.

3. Lückenlesen

Zwei Kinder erhalten denselben Text. Ein Kind liest vor und lässt bewusst ein Wort aus. Das andere Kind muss aufmerksam mitlesen, das fehlende Wort erkennen und den Satz vollständig wiederholen. Alternativ kann das lesende Kind mitten im Satz stoppen. Das Partnerkind liest an dieser Stelle weiter.

4. Lesekette

Alle Kinder verfolgen denselben Text. Du beginnst vorzulesen und stoppst an einem Satzende. Ein Kind liest freiwillig weiter und beendet seinen Abschnitt ebenfalls selbstständig. Du rufst niemanden auf. Die Kinder müssen aufmerksam zuhören und wahrnehmen, wann eine neue Person einsetzt. Wichtig ist, dass die Teilnahme freiwillig bleibt. So kann die Lesekette Kinder dazu ermutigen, sich schrittweise das Vorlesen vor einer Gruppe zuzutrauen.

5. Erzählendes Lesen

Zwei Kinder lesen einen kurzen Textabschnitt. Anschließend gibt ein Kind den Inhalt in eigenen Worten wieder. Das andere überlegt, wie der Text weitergehen könnte. Beim nächsten Abschnitt tauschen die Kinder die Rollen.

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Marion Singler
Ihre Referentin

Marion Singler

Lehrerin, Gründerin der Lese-App „alphaben“

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