Aufzeichnung

Demokratiebildung in der Grundschule: Mit Podcast die eigene Stimme entdecken

Mit Podcasts Demokratie in der Grundschule erlebbar machen

Wie können Kinder Demokratie nicht nur verstehen, sondern wirklich erleben? Eine besonders lebendige Antwort darauf bietet das Podcast-Projekt von Bücheralarm.

In diesem Webinar wird deutlich: Podcasts können weit mehr sein als ein digitales Medienprodukt. Sie schaffen Räume für Mitbestimmung, Teamarbeit, Sprachförderung, Lesemotivation und echte Selbstwirksamkeit. Gerade in der Grundschule ist das ein großer Gewinn. Kinder lernen, ihre Meinung zu äußern, anderen zuzuhören, Kompromisse zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Damit wird Demokratiebildung ganz praktisch erfahrbar.

Bücheralarm: Leseförderung trifft Medienbildung

Die Initiative Bücheralarm wurde 2021 gegründet und verbindet Leseförderung mit Podcasting. Im Mittelpunkt steht meistens ein Buch, zu dem Kinder und Jugendliche eigene Podcastfolgen gestalten. Dabei werden analoge und digitale Bildung miteinander verbunden.

Das Projekt richtet sich an Kinder ab etwa drei Jahren bis hin zur Oberstufe und Berufsschule. Es gibt verschiedene Kanäle, darunter Bücheralarm Mini, Bücheralarm School, Bücheralarm Wissen und Bücheralarm Talk.

Warum Leseförderung Demokratiebildung ist

Ein zentraler Gedanke des Webinars: Ohne Lesen keine echte Teilhabe. Wer lesen kann, kann Informationen verstehen, sich eine Meinung bilden und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Lesekompetenz ist deshalb eine wichtige Grundlage demokratischer Bildung.

Helen Hermannsdörfer, Grundschullehrerin und Expertin für vielfältige Leseförderung, zeigt im Webinar, wie eng Lesen, Sprechen, Zuhören und demokratische Kompetenzen miteinander verbunden sind. Kinder, die sich intensiv mit einem Buch beschäftigen und daraus einen Podcast entwickeln, setzen sich deutlich tiefer mit Inhalten auseinander als bei einer klassischen Buchvorstellung. Sie überlegen: Was ist wichtig? Wie erkläre ich etwas so, dass andere es verstehen? Welche Fragen wollen wir stellen? Welche Meinung haben wir dazu? Genau hier beginnt Demokratiebildung im Kleinen.

Podcasting als demokratischer Lernraum

Ein Podcast-Projekt bietet viele Möglichkeiten, Demokratie praktisch zu erleben. Schon bei der Auswahl des Buches können Kinder mitentscheiden. Welches Thema interessiert uns? Welches Buch wollen wir vorstellen? Welche Fragen möchten wir stellen? Diese Mitbestimmung stärkt die Motivation. Kinder merken: Meine Stimme zählt.

Auch innerhalb der Podcast-Produktion entstehen demokratische Prozesse. Es braucht Moderatorinnen und Moderatoren, Vorleseteams, Interviewgruppen, Technikverantwortliche, Rechercheteams und Kinder, die Fragen vorbereiten oder Texte schreiben. Dabei können die Kinder eigene Stärken entdecken und Aufgaben übernehmen, die zu ihnen passen. Gerade Kinder, die im klassischen Unterricht vielleicht weniger sichtbar sind, können im Podcast-Projekt aufblühen.

So läuft ein Podcast-Projekt in der Grundschule ab

Im Webinar wird ein möglicher Ablauf sehr konkret vorgestellt. Zunächst wird ein Buch gemeinsam gelesen oder ein Sachthema ausgewählt. Anschließend sammeln die Kinder Ideen: Welche Inhalte sollen in die Folge? Welche Fragen wollen wir stellen? Wer übernimmt welche Aufgabe?

Danach bilden sich Teams. Die Kinder bereiten Texte, Fragen, Buchvorstellungen oder kleine Szenen vor. Besonders wichtig ist das Sprech- und Mikrofontraining. Viele Kinder müssen erst lernen, wie man deutlich spricht, welchen Abstand man zum Mikrofon hält und warum Ruhe bei der Aufnahme so wichtig ist.

Am Ende steht der große Moment: der fertige Podcast. Dieser Release kann in der Klasse oder Schulgemeinschaft gefeiert werden, etwa mit einem kleinen Buffet, Flyern, QR-Codes oder einer Veröffentlichung auf der Schulwebsite.

Beispiele aus der Praxis: Demokratie hörbar machen

Im Webinar werden zwei Praxisbeispiele vorgestellt. Im Podcast zu Eberhart und die Demokratie beschäftigten sich Kinder mit Begriffen wie Bürgermeister, Rathaus, Protest und Kompromiss. Ein weiteres Beispiel kam aus einem Wiener Hort zum Thema Frauenwahlrecht. Die Kinder setzten sich mit der Frage auseinander, seit wann Frauen wählen dürfen, wie sie für dieses Recht gekämpft haben und warum Gleichberechtigung wichtig ist.

Solche Beispiele zeigen: Demokratiebildung muss nicht abstrakt bleiben. Sie kann hörbar, kreativ und nah an der Lebenswelt der Kinder werden.

 

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